Cashewkerne: Handarbeit, die unter die Haut geht

Sie bestehen bis zu 20% aus Eiweiß und liefern damit fast so viel wie Lachs. Der Anteil der Aminosäure Tryptophan (Serotoninproduktion) ist so hoch wie in kaum einem anderen Lebensmittel. Auch sind sie uns eine beliebte Knabberei und dienen insbesondere in der veganen Küche als ein vorzüglicher Sahne- und Milchersatz – Cashewkerne.

Doch die wenigsten wissen: Die Cashewernte und Weiterverarbeitung der edlen Nuss ist nahezu 100% Handarbeit und mit erheblichen gesundheitlichen Risiken für die Arbeiterinnen verbunden. Denn das toxische Schalenöl Cardol verursacht bei Hautkontakt schwere Verätzungen und kann zu bleibenden Schäden führen. Ein Blick in den langwierigen Verarbeitungsprozess der Cashew macht klar: Würde der Wert der in der kleinen Nuss steckenden Arbeitskraft und die Gesundheitsrisiken der Verarbeitung eingepreist, Cashews wären wohl kaum bezahlbar. In jedem Fall aber sind sie ein Extrakt menschlicher Arbeit und müssten als eine echte Delikatesse gehandelt werden.

Was ist also der wahre Preis unserer Lebensmittel – Menschenhand miteingerechnet? Und lassen sich Mühsal, Kinderarbeit, Risiken und bleibende Gesundheitsschäden überhaupt einpreisen? 

Tante LeMi hat den Verarbeitungsweg der Cashew für euch nachverfolgt:


Cashewapfel und Cashewnuss

Cashewbäume gedeihen am besten unter tropischen Bedingungen und sind in Brasilien heimisch. Indien, Brasilien, Nigeria, Tansania und kleinere westafrikanische Staaten gelten als die größten Cashew-Produzenten. Am sogenannten Cashewapfel, einer rot oder gelb leuchtenden paprikaähnlichen Frucht, hängen die Cashewnüsse am Baum. Cashewäpfel sind Scheinfrüchte, denn sie haben keinen Samen und sind botanisch gesehen Verdickungen des Fruchtstils. Die eigentliche Cashewfrucht mit dem begehrten Kern ist die Cashewnuss, die klein und nierenförmig unten aus den Cashewäpfeln hervorragt.

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Die Cashewernte

Wenn die Cashewäpfel von den Bäumen fallen, müssen sie von den Sammlerinnen schnell aufgelesen werden, da die Schalen sonst anfaulen. Mit einer kräftigen Drehbewegung oder einem Messer trennen die Erntehelferinnen den Cashewapfel von der Frucht mit ihrem Kern, der sog. „Elefantenlaus“. Handschuhe sollen die Hände der Sammlerinnen vor dem aggressiven Saft in der Schale der Kerne schützen. Cashewäpfel sind zwar genießbar und können zu Kaschu-Saft, Marmelade, Schnaps etc. verarbeitet werden. Da das Fruchtfleisch aber leicht verderblich ist, können sie nur schwer transportiert und international gehandelt werden.

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Die Verbrennung des Schalenöls

Um das toxische Schalenöl vor dem Öffnen der Nüsse verbrennen zu lassen, werden die Cashews traditionell in großen Pfannen über offenem Feuer geröstet. Dabei wird schwarzer Rauch mit ätzenden, gesundheitsschädlichen Dämpfen freigesetzt. Das Öl in der Schale tritt aus, und entzündet sich. Die Schale wird dadurch brüchig, sodass die Nüsse von Hand geknackt werden können. Um sich vor dem aggressiven Öl zu schützen, tragen die Arbeiterinnen Handschuhe oder tauchen ihre Hände behelfsmäßig in Asche oder Lehm.

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Die Gewinnung des Schalenöls 

Weil das Caschewschalenöl, das Cashew Nut Shell Liquid (CNSL), ein stark nachgefragter Grundstoff in der chemischen Industrie ist, setzt sich zunehmend das sog. Hot-Oil-Verfahren durch. Dabei werden die Nüsse in ein Bad von heißem Schalenöl getaucht. Bei einer Temperatur von 190° tritt das in der Schale enthaltene toxische Öl aus und kann abgezogen werden. Das so gewonnene CNSL findet für technische Zwecke in der Farben- und Kunststoffindustrie Anwendung. Die anfallenden Nussschalen werden u.a. zu Pressplatten verarbeitet, die resistent gegen Feuchtigkeit und Termiten sind.


Das Gesundheitsrisiko für die Arbeiterinnen

In jedem Fall bleibt das Öffnen der Schalen für die Helferinnen gefährlich, denn bereits ein kleiner Spritzer des Cashewschalenöls brennt sich tief in die Haut ein. Beim Einatmen verursacht das Öl starke Verätzungen und über die Haut eindringende Säuren führen zu Stoffwechsel- und Nervenerkrankungen. Das Öl, so ist nachzulesen, greift die Fingerspitzen vieler Arbeiterinnen so massiv an, dass diese oft über keine Fingerabdrücke mehr verfügen. Vor allem die Analphabeten unter ihnen, in Ländern, in denen noch viele Rechtsgeschäfte mit dem Fingerabdruck besiegelt werden, werden dadurch geschäftsunfähig.


Das manuelle Knacken der Nüsse

Eine jede einzelne Nuss klemmen die Arbeiterinnen nun in eine Halterung und mit Hilfe eines Fallbeils oder einer Art Nußknacker wird diese manuell gespalten. Die Schale wird aufgehebelt und übrig bleibt der Kern. Noch immer wird das Aufbrechen der steinharten Nüsse im armen Nordosten von Brasilien, aber auch in Indien illegal von Kindern verrichtet.

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Das Entfernen der Samenhaut

Nach dem Schälen werden die Cashewkerne getrocknet und durch einen thermischen Schock erhitzt, sodass auch die dünne Samenschale entfernt werden kann. Dabei darf der Kern nicht mit dem giftigen Schalenöl kontaminiert werden. Mit einem Messer werden die Nüsse von Schalenresten manuell gereinigt.


Das Sortieren und Abfüllen der Kerne

Das Sortieren und Abfüllen der Kerne ist der letzte Arbeitsschritt. In Indien wird auch dieser Schritt per Hand durchgeführt. Zwar gibt es auch mechanische Verfahren mit einfachen Geräten, die von den Kooperativen selbst gebaut werden können. Dann entsteht jedoch ein größerer Teil Cashew-Bruch, für den schlechtere Marktpreise erzielt werden können. Nur weiße, große und vor allem ganze Nüsse erreichen die höchste Qualitätsstufe und entsprechen dem Qualitätsanspruch der westlichen Konsumentenländer. Weil ein guter Ertrag von der Qualität der Cashews und damit von der Menge der großen und gut erhaltenen Kerne abhängt, die nur durch Handarbeit gewährleistet werden kann, wird die Cashewernte vermutlich auch weiterhin Handarbeit bleiben.

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