Den Ozean entrümpeln

Das niederländische Start-Up „The Ocean Clean Up“ will den Ozean entrümpeln. Klingt gut – aber macht das Sinn?

Plastik – Inzwischen gehört es zu unseren Meeren wie Plankton oder Algen. Es findet sich in der Arktis, in den Tropischen Meeren, bis hin zur Antarktis. Schätzungsweise 50 Milliarden Plastikteile treiben heute auf der Meeresoberfläche.

Ein gigantischer Müllfänger soll nun binnen eines Jahres im Nordpazifik, dort wo der berüchtigte Müllstrudel am größten ist, seine Arbeit aufnehmen. Nach fünf Jahren soll die Hälfte des umhertreibenden Plastikmülls beseitigt sein – so der Plan.

Der Plastikfänger wäre die größte künstliche Struktur auf den Ozeanen: Die im vier Kilometer tiefer liegenden Meeresgrund verankerte Anlage, besteht aus zwei je 50 km langen Schläuchen an der Meeresoberfläche, an denen eine drei Meter tiefe Kunststoffschürze hängt. Die Strömung soll den Müll, der sich meist in den oberen Wasserschichten befindet, in die V-förmig angebrachten Arme treiben. Im Zentrum der Anlage soll der Müll vor seiner Zersetzung gesammelt, komprimiert und achtmal im Jahr per Schiff abtransportiert werden.

Doch Umweltforscher fürchten: Der Plastikfänger könnte, da unzureichend praktisch erprobt, mehr Schaden als Nutzen bringen.

Die Anlage konzentriert eine große Menge Plastik an der Wasseroberfläche, um das sich ein eigenes kleines Ökosystem bilden würde. Ohnehin wimmelt an der Meeresoberfläche das Leben. Es ist strittig, ob Fischlarven, Quallen und Plankton die Barrieren tatsächlich passieren könnten. In jedem Fall aber wäre Beifang unvermeidlich. Der verdichtete Teppich aus Müll und Plankton dürfte auch insbesondere Seevögel anziehen, die ihre Mägen damit füllen. Von den ökologischen Folgen der Schiffsemissionen einmal ganz abgesehen.

Und solange der Zustrom an Müll nicht versiegt, werden auch die unsere Meere überziehenden Müllteppiche bleiben. Projekte wie  „The  Ocean Clean up“ können hier nur kosmetisch wirken. Neben politischen Reglementierungen und nationalen und internationalen Anstrengungen zur Bekämpfung der Müllflut, braucht es vor allem eines:

Unsere Hinwendung zu einem suffizienten Leben!

 

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