Wie Bio ist Bio-Plastik wirklich?

Bio-Plastik ist stark im Kommen und scheint auf den ersten Blick eine gute Alternative zu Kunststoffen auf Mineralölbasis. Aber wie ökologisch ist Bio-Plastik wirklich?

 

1. Ist Bio-Plastik immer biologisch abbaubar?

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Nein, längst nicht alle Bio-Kunststoffe sind kompostierbar, also biologisch abbaubar. Sogenanntes „biobasiertes“ Plastik besteht lediglich aus nachwachsenden Rohstoffen, kompostierbar ist es nicht. Tatsächlich kann es ebenso beständig sein wie herkömmliches Plastik, auch in den Meeren. Nur „biologisch abbaubares“ Plastik muss innerhalb einer bestimmten Zeit unter definierten Bedingungen industrieller Kompostierungsanlagen zerfallen und zwar in Wasser, Kohlendioxid und Biomasse.

 

2. Prima, dann kann „biologisch abbaubares“ Plastik auf den heimischen Komposthaufen?

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Nein, biologisch abbaubares Plastik darf nicht auf den Komposthaufen. Der heimische Regenwurm kann die Kompostierung von Bio-Plastik nicht leisten. Für eine Zersetzung braucht es definierte Hitze-, Sauerstoff- und Feuchtigkeitsbedingungen und ein bestimmtes Bakterien- und Pilzmilieu. Unter heimischen Bedingungen kann das Material nicht oder nur mit einer deutlich längeren Zerfallszeit abgebaut werden.


3. Aber essen geht?

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Nein, Bio-Plastik ist nicht essbar. Oft sind in Bio-Plastik dieselben Zusatzstoffe wie in herkömmlichem Kunststoff enthalten: UV-Stabilisatoren, Flammschutzmittel, Weichmacher. Auch dürfen Kunststoffe das Label Bio-Plastik tragen, wenn sie aus fossilen Rohstoffen hergestellt sind, aber biologisch abbaubar sind, wie abbaubare Polyester.


4. Für die Umwelt ist Bio-Plastik aber doch sicher sinnvoll?

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Die Produktion von Bio-Plastik bedeutet einen geringeren CO2-Ausstoß. Auch die Erdölvorräte werden geschont, weil der Produktionsprozess einen geringen Erdöleinsatz bedeutet.


5. Und gibt es auch Nachteile?

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Der Anbau nachwachsender Rohstoffen ist mit einem enormen Landverbrauch verbunden: Werden Flächen für Rohstoffe zur Herstellung von Bio-Kunststoffen verbraucht, fehlen diese für den Anbau von Nahrungspflanzen.

Auch ist der Anbau nur unter einem enormen Ressourceneinsatz und unter Einsatz von Dünger und Spritzmitteln möglich. Für ein schnelleres Wachstum der Pflanzen werden Böden überdüngt und beim Anbau in der Regel Pestizide und teilweise gentechnisch veränderte Organismen eingesetzt.

Auch werden „biobasierte“Kunststoffe bislang kaum recycelt. Denn die Sortieranlagen sind auf die Bio-Kunststoffe noch nicht eingestellt. Da die natürliche Zersetzung von „biologisch abbaubaren“ Kunststoffen sehr lange dauert, nehmen die meisten Kompostieranlagen sie in der Regel nicht an. Sie werden bislang energetisch verwertet: kurzum verbrannt.

 


Das Fazit der Tante: Bei einer weltweiten Produktionsmenge von mehr als 200 Millionen Tonnen Plastik pro Jahr erscheint es fraglich, ob Bio-Plastik mit seiner Ökobilanz eine Lösung bietet. Einzig richtiger Schritt: Der Verzicht auf Plastikprodukte im Alltag! Also, kommt vorbei!

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