Plädoyer für den Verzicht

von Magdalena Schmidramsl

Konsum – das ist nichts rein Materielles. Längst geht es uns nicht mehr allein um die Befriedigung irgendeines materiellen Bedürfnisses, wenn wir uns dieses oder jenes Produkt zum Konsum aneignen. Wir alle wissen und machen die Erfahrung, dass rein physiologische Bedürfnisse gar nicht grenzenlos sein können.

Konsum birgt vielmehr einen symbolischen Kern, eine kulturelle Seite. So haben Konsumgüter nicht nur bestimmte Eigenschaften, sie bedeuten auch etwas. Es ist diese Bedeutung, die wir uns im Akt des Konsumierens anzueignen versuchen, geradezu einverleiben und nach außen ausstrahlen wollen. Ja sogar in einem Päckchen fair gehandeltem Kaffee kann so viel mehr stecken, scheint im Preis inbegriffen doch ein Stückchen „gute und gerechte Welt“. Es scheint ein grenzenloser Hunger nach Inszenierung und Selbstbestätigung, der uns in unserem Konsumverhalten antreibt. Wir wollen uns nicht mehr nur als die Person darstellen, die wir sind, sondern die wir sein wollen. All die Konsumgüter, die so regelmäßig in unseren realen und virtuellen Warenkörben landen, sind nur Requisiten, derer wir uns zur Inszenierung unserer Träume und Fantasien bedienen. Die Realität aber, sie ist weit weniger großartig als die den Kauf motivierende Fantasie. Vielleicht liegt hierin der Kern unserer Unersättlichkeit, dieser unstillbaren Begierde nach immer neuen Dingen.

Doch wenden wir uns ab vom Konsum, befinden wir uns dann nicht auf direktem Weg zum Verzicht, gar zur Askese? Askese bedeutet nichts anderes als Üben. Und je mehr wir bereit sind zu üben, je mehr wir instandhalten und reparieren, die Dinge durchschauen, desto weniger komplexe Zusatzgegenstände brauchen wir. Vereinfachen bedeutet also, sich aus komplexen Zusammenhängen auf ein überschaubares Gebiet zurückziehen. Bedeutet, Freiheit und Kontrolle über das eigene Leben zurückzugewinnen und damit das richtige Maß, die Schönheit.

 

Zur weiteren Lektüre: http://www.jp.philo.at/texte/DeutschmannC1.pdf

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